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Die Entwicklung der Kosmetik durch die Jahrtausende

Mit diesem Bericht werden wir Ihnen die Geschichte der Kosmetik näher bringen. Das Original wurde in der blauen Reihe der Heidelberger Kosmetiklehrbücher von Helen Pietrulla geschrieben.

Die Kosmetik begann wohl schon mit Eva, der ersten Frau im Paradies, denn nichts war natürlicher, als ihr Wunsch Adam, ihrem Gefährten, zu gefallen. Ihre Spiegel waren die klaren Bäche des Paradieses und ihr bestimmt bevorzugter, die Augen ihres Adams, die ihr zeigten wie schön und vollkommen sie war, mit einem Wort: Paradiesisch schön!
Erstes Attribut der Kosmetik war also der Spiegel und er ist es bis zum heutigen Tage geblieben: Angefangen beim Wasserspiegel der Steinzeitmenschen, über die blankpolierte Bronzefläche der Menschen der Bronzezeit bis zum kunstvoll geschliffenen Spiegelglas unserer Zeit. Der Wasserspiegel zeigte den Evas in grauer Vorzeit ihr ungepflegtes Haar, das ihnen struppig ins Gesicht hing, und erweckte in ihnen den natürlichen Wunsch, es mit ihren Fingern zu glätten. Als der Erfolg nicht zufriedenstellend war, schnitzten sie aus Knochen die ersten Kämme, eine Nachbildung ihrer kämmenden Hände.
Mit klarem Quellwasser, - ihrem ersten Schönheitselixier, - wuschen sie Staub und Schmutz ab. Das kühle Wasser erfrischte, und zauberte rosige Farbe auf ihre Wangen. So gefielen sie sich schon besser, und der Wunsch, auch ihren Männern Bewunderung zu entlocken, verführte sie, das herabhängende Haar zu flechten, zu ordnen, mit kunstvoll geschnitzten Kämmen und Nadeln aus Bein aufzustecken, sich mit Ketten aus Knochenstücken, Muscheln und bunten Steinen zu schmücken und ihre Felle und die aus Pflanzenfasern gewebten Kleider mit Knochen- und Steinnadeln gefälliger zu drapieren.
So entstanden die Zwillinge: Kosmetik und Mode. Beide trennen sich durch die Jahrtausende der Vergangenheit niemals, und sie werden es wohl in der Zukunft nicht tun. Man könnte also sagen: Die Kosmetik entstammt dem Wunsch der Frau schöner zu werden, begehrter zu sein, die Nebenbuhlerin auszustechen, dem Manne ihrer Wahl zu gefallen, um ihn mit „Haut und Haaren“ zu gewinnen und zu besitzen. Allerdings sind Waschen und Frisieren nur die ersten zaghaften Schritte auf dem Gebiet der Kosmetik, denn mit beiden beginnt die primitive Körperpflege. Erst deren Vervollkommnung durch Bäder Massagen, Packungen, etc. und schmücken durch dekorative Mittel führte zur gezielten Kosmetik.

Weit verbreitet ist heute noch die Ansicht, dass die Kosmetik ein Beruf sei, dessen Wurzeln keineswegs tief reichen und dessen Ausübung sogar nur Teilgebiet anderer Berufe darstelle. Diese Ansicht ist unzutreffend, die Beweise sind leicht zu führen, denn die Entwicklung dieses Berufes lässt sich durch 7 Jahrtausende nachweisen. Fest steht, dass die Kosmetik so alt ist wie die Kulturgeschichte der Menschheit. Gehen wir erst einmal dem Wort „Kosmetik“ auf den Grund: „Kosmein“ stammt aus dem Griechischen und heißt: „Ordnen und Schmücken“. In übertragenem Sinn können wir heute die erste Bedeutung für die pflegerische- und die Zweite für die dekorative Kosmetik einsetzen. Es gibt also keine umfassendere und logischer Bezeichnung für diesen Beruf als das Wort „Kosmetik“.

Streng genommen hat man die ersten kosmetischen Spuren bereits in den Gräbern der Eiszeitmenschen - etwa vor 20 000 Jahren - gefunden, nämlich Farben, die zum Bemalen der Haut dienten - wahrscheinlich zu kultischen Zwecken. Diese primitiven Farben stammten von zerriebener Holzkohle und Kreide. Es waren die einzigen Funde aus der Steinzeit, die darauf hindeuteten, dass man bereits in der Frühgeschichte der Menschheit sich „bemalte“. Als Kosmetik im echten Sinne, sind diese Funde keineswegs aufzufassen.

Fortsetzung folgt.

 

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